«Angreifer und Verteidiger erhalten neue Möglichkeiten»
Hacker nutzen künstliche Intelligenz, um uns anzugreifen. Wir nutzen künstliche Intelligenz, um sie abzuwehren. Eine verworrene Situation. Zeit für ein klärendes Gespräch mit Marcel Zumbühl, unserem Chief Information Security Officer.
- Die Schweizerische PostLesezeit 6 Minuten

Gefährlich oder hilfreich: Was ist künstliche Intelligenz für die IT-Security?
Wie bei jeder neuen Entwicklung erweitert sich das Spielfeld. Angreifer und Verteidiger erhalten neue Möglichkeiten. Insgesamt bin ich jedoch optimistisch, denn je früher wir uns mit neuen Technologien auseinandersetzen, desto besser können wir deren Chancen nutzen. Und bei der Post beschäftigen wir uns schon seit Jahren mit KI. Interessant ist, dass sich die Technologie seit meinem Studium gar nicht gewaltig weiterentwickelt hat.
Der grosse Wandel ist also nur, dass KI dank Tools wie ChatGPT und Copilot benutzerfreundlicher geworden ist?
Genau. Neu kannst du mit der KI ganz natürlich kommunizieren. Früher musstest du alles in eine Programmiersprache übersetzen, damit der Computer dich verstehen konnte. Heute macht der Computer diese Übersetzung für dich. Das hat zu dem Hype geführt, den wir aktuell beobachten. Ich habe noch selten erlebt, dass eine Technologie so rasch und so breit aufgenommen wurde. Alle hatten auf einmal das Gefühl, sie müssten KI ausprobieren, als hänge ihr Leben davon ab. Dabei wusste anfangs kaum jemand, wie man schlau damit umgeht.
Es gibt Fälle bei anderen Unternehmen, da haben Angestellte eine KI mit internen Daten gefüttert und diese damit quasi öffentlich gemacht. Trotzdem hat die Post eine liberale Haltung.
In der Experimentierphase entsteht viel Gutes. Deshalb leben wir mit den damit verbundenen Risiken. Das war ein bewusster Entscheid. Zudem ist uns lieber, die Leute nutzen die zur Verfügung stehenden Tools auf der geschäftlichen Infrastruktur, wo wir im Notfall unterstützen können, als auf ihren privaten Geräten.
Wie verhindert ihr, dass Mitarbeitende aus Unwissenheit interne Daten in solche Systeme eingeben?
Zunächst müssen die Mitarbeitenden verstehen, dass alle Daten, die sie bei einer KI eingeben, wieder aus dem System herausgenommen werden können Ausserdem müssen sie wissen, was vertrauliche Daten sind. Im Vergleich zu anderen Unternehmen haben wir laut Microsoft sehr viele Daten klassifiziert nach C1 öffentlich, C2 intern, C3 eingeschränkt und C4 vertraulich. Von Vorteil ist auch, wenn die Leute mit Microsoft-Anwendungen wie Copilot arbeiten.
