Die erste Post-Website war eine Tessinerin
Aus sieben Pionierinnen und Pionieren mit Floppy Disks wurde ein IT-Hub mit über 100 Fachleuten: Seit 30 Jahren prägt Bellinzona die digitale Post – vom ersten Webauftritt bis hin zu Sicherheitslösungen für Millionen Kundinnen und Kunden.
- Die Schweizerische PostLesezeit 6 Minuten

Bellinzona
Bellinzona im Jahr 1995. In den Büros an der Viale Stazione hat die frisch gegründete Informatikabteilung der Post den Betrieb aufgenommen. Schwere Röhrenmonitore, Floppy Disks aus Karton mit wenigen hundert Kilobytes Speicher, PCs mit lauten Lüftern machen Lärm. «Der Ventilator meines 386er mit stolzen 2 MB Arbeitsspeicher dröhnte wie ein Haarföhn», lacht Roger Mossier, der seit Tag eins dabei und heute Standortleiter ist. «Unsere Kolleginnen und Kollegen im Backoffice haben damals noch Screenshots mit einer Polaroidkamera gemacht – wir haben ihnen dann gezeigt, dass es Printscreens gibt.»
Aus jenem kleinen, fast improvisiert wirkenden Start ist über drei Jahrzehnte hinweg ein Kompetenzzentrum geworden, das heute mehr als 100 Fachleute beschäftigt. Für die Post spielt die Informatik in Bellinzona eine Schlüsselrolle: Sie sorgt dafür, dass Pakete und Briefe zuverlässig und flexibel zugestellt werden, dass Kundinnen und Kunden ihre Daten sicher verwalten können – und dass die digitale Transformation der Post in der ganzen Schweiz funktioniert.
Ein politischer Anfang
Die Geschichte des Standorts begann eigentlich mit einem Konflikt. Als Mitte der 1990er-Jahre die damalige PTT den Zahlungsverkehr automatisierte, verschwanden im Tessin zahlreiche Stellen. Nach intensiven politischen Diskussionen fand man eine Lösung, um qualifizierte Arbeitsplätze südlich der Alpen zu sichern: In Bellinzona sollte ein neuer IT-Standort aufgebaut werden. Sieben Personen bildeten das erste Team. Dass sich darunter bereits zwei Frauen befanden, war für die damalige Informatikwelt bemerkenswert.
Was als regionalpolitisches Trostpflaster begann, entpuppte sich bald als Innovationsmotor. In Bellinzona herrschte Pioniergeist. So ermunterte das umtriebige Team etwa die Post-Generaldirektion zum ersten Internetauftritt, setzte ihn um und entwickelte dazu auch gleich die ersten Applikationen. 1997 ging post.ch online – ein Meilenstein in der Geschichte der Digitalisierung des Unternehmens. «Wir waren bald im ganzen Kanton Tessin gefragt, deshalb führten wir auch Projekte für Banken und kantonale Firmen durch», erzählt Mossier.

