«Um Schach zu spielen, muss man kein Genie sein»
Es gibt nur wenige, die es wie Lena Georgescu im Schachsport an die Spitze schaffen. Die dreifache Schweizermeisterin verrät, weshalb Essen während einer Partie erlaubt ist und was sie von der neuen Schach-Briefmarke der Post hält.
- Die Schweizerische PostLesezeit 3 Minuten

Wie lange dauerte deine längste Schachpartie?
Wir treffen Lena Georgescu im Vereinshaus des Berner Schachklubs. Das unscheinbare Gebäude liegt direkt unter der Kornhausbrücke und ist nur durch einen Fussweg von der Aare getrennt. Hier hat die dreifache Schweizermeisterin schon viele Stunden trainiert. Die 24-jährige Informatikstudentin lernte bereits mit fünf Jahren Schachspielen; ihr rumänischer Vater hat es ihr beigebracht. Gerade ist sie von einem Mannschaftsturnier in Thüringen zurückgekehrt. Sie spielte 8 von 9 Runden, sass also über 32 Stunden vor dem Schachbrett.
Wie lange dauerte deine längste Schachpartie?
Ich hatte schon ein paar Begegnungen, die sich über sechs bis sieben Stunden hinzogen. Im Durchschnitt dauert ein Spiel drei bis vier. Kürzlich gewann ich ein Spiel in nur 1,5 Stunden. Das ist auch für mich ein Rekord.
Und wenn die Tagesform nicht stimmt?
Meistens merke ich erst während der Partie, dass ich einen schlechten Tag erwischt habe. Dann passe ich mein Spiel an, indem ich meine Figuren in einfachere Stellungen bringe. Neben der körperlichen und mentalen Fitness sind auch genügend Schlaf und das Abschalten zwischen den Partien wichtig. Wirklich ärgerlich ist, wenn ich über fünf Stunden das Spiel dominiere und am Schluss wegen eines dummen Zugs verliere.
Welche Rolle spielt die Ernährung?
Im Alltag schaue ich nicht speziell darauf, aber an Turnieren esse ich leichte Kost, weil üppige Mahlzeiten müde machen. Während der Partie darf man essen und auch rumlaufen. Ich habe mal von einem Kollegen gehört, dass sein Gegner während des Spiels ein ganzes Poulet verdrückt hat.
Ist Schach nur etwas für intelligente Menschen?
Um gut Schach zu spielen, muss man kein Genie sein. Es ist ein bisschen wie beim Sprachenlernen. Als Kind ist es einfacher, du kannst es weit bringen. Später ist es schwer, ein hohes Niveau zu erreichen. Wichtig ist, die Züge nicht nur auswendig zu lernen, sondern sie auch zu verstehen. Ich stelle die meisten verlorenen Partien nach und analysiere sie.