Wenn Zustellfahrzeuge zu Stromspeichern werden
Elektrische Zustellfahrzeuge der Post können Energie speichern und gezielt ins Netz zurückspeisen. Das eröffnet neue Chancen für die Netzstabilität und den Umgang mit erneuerbarer Energie.

Elektrofahrzeuge der Post fahren nicht nur emissionsfrei
Elektrofahrzeuge der Post fahren nicht nur emissionsfrei – ihre Batterien können noch mehr. Ein Pilotprojekt der Schweizerischen Post zeigt, dass elektrische Zustellroller auch als kleine, flexible Stromspeicher genutzt werden können. Das sogenannte bidirektionale Laden ermöglicht es, Strom nicht nur aus dem Netz zu beziehen, sondern bei Bedarf auch wieder zurückzugeben. Das entlastet das Stromnetz, und man kann damit Kosten sparen.
In einem Pilotprojekt testete die Post gemeinsam mit den Partnern Kyburz und der Hochschule Luzern sowie mit finanzieller Unterstützung des Bundesamts für Energie das bidirektionale Laden mit neun elektrischen Zustellrollern im normalen Arbeitsalltag. Die Fahrzeuge waren auch während des viermonatigen Pilotprojekts täglich im Einsatz und erfüllten ihre Aufgaben wie gewohnt. Ein wichtiger Befund: Das System funktionierte jederzeit zuverlässig, ohne Einschränkungen für den Zustellbetrieb und ohne zusätzliche Ersatzfahrzeuge.
Klingt nach wenig, aber ...
Der Schlüssel zum Erfolg des Pilotprojekts lag im intelligenten Laden. Die Roller wurden so gesteuert, dass sie vor allem dann Strom für die Batterien bezogen, wenn dieser günstig war – und Energie wieder abgaben, wenn die Preise höher lagen. Voraussetzung dafür waren dynamische Stromtarife des lokalen Energiedienstleisters: Der Preis für die Energie ändert sich je nach Angebot und Nachfrage. Schon vor dem Test zeigten Simulationen ein Einsparpotenzial. In der Praxis konnten durchschnittlich rund 25 Rappen pro Fahrzeug und Tag eingespart werden.
Das klingt nach wenig, zeigt aber: Das Prinzip funktioniert. Hochgerechnet auf grössere Fahrzeuge, verbesserte Technik und eine deutlich grössere Flotte könnte sich ein interessanter wirtschaftlicher Nutzen ergeben. Gleichzeitig leisten solche Fahrzeuge einen Beitrag zur Energiewende. Als mobile Speicher helfen sie, Strom aus erneuerbaren Quellen besser zu nutzen und vor allem das Netz zu stabilisieren.
Wie es bei der Post weitergeht, ist noch offen. Denkbar ist ein Folgeprojekt mit seriennaher Hardware und deutlich mehr Fahrzeugen an mehreren Standorten. Voraussetzung bleiben passende Stromtarife, die inzwischen auch weitere Anbieter offerieren. Vielleicht rollen schon in wenigen Jahren Zustellfahrzeuge der Post durch die Schweiz, die nicht nur Briefe und Pakete transportieren, sondern auch aktiv beim Strommanagement mithelfen.